Titelbild: Probleme verstehen, Entscheidungen ermöglichen

Probleme verstehen, Entscheidungen ermöglichen

Werkstatt · 2 Tage · Für Teams und Führungskräfte

Warum werden manche Probleme gelöst – und andere nicht?

Organisationen bestehen aus Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Interessen und Rationalitäten. Was für die eine Abteilung ein dringendes Problem ist, erscheint der anderen als Nebensache. Was hier als Lösung gilt, schafft dort neue Konflikte.

Diese Werkstatt vermittelt Werkzeuge, um diese Dynamiken zu verstehen – und produktiv zu nutzen. Statt „das Problem“ zu suchen, lernen Sie, Problemkonstruktionen zu beobachten. Statt „die Lösung“ zu erwarten, entwickeln Sie Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit.

Was Sie lernen werden

01

Akteure und lokale Rationalitäten

Sie lernen, die Perspektiven der Beteiligten sichtbar zu machen – und zu verstehen, warum Verhalten, das von außen irrational wirkt, aus der Sicht des Handelnden vollkommen logisch ist. Das verändert, wie Sie Konflikte lesen.

02

Problemkonstruktion

Sie entwickeln ein Gespür dafür, wie Probleme entstehen – nicht als objektive Tatsachen, sondern als Konstruktionen von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen. Damit können Sie gezielter fragen: Wessen Problem ist das eigentlich?

03

Kontingenz und Unsicherheit

Sie erarbeiten Strategien, um unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben – statt auf die eine richtige Lösung zu warten. Von Routinen über Vertrauen bis zur bewussten Improvisation.

04

Entscheidungskontexte – Entscheidungen sortieren

Sie lernen zu unterscheiden, welche Entscheidung an welchen Tisch gehört – operativ, koordinierend oder strategisch. Das verhindert, dass alles überall besprochen wird, und schafft Klarheit im Alltag.

Wie die Werkstatt abläuft

Tag 1

Vom Verstehen...

Vormittag
Ankommen und Spielregeln
Erwartungen klären: Was muss passiert sein, damit sich die Werkstatt lohnt?
Impuls: Akteure, Handlung und lokale Rationalitäten
Eigene Prozesse analysieren: Wo treffen unterschiedliche Rationalitäten aufeinander?
Nachmittag
Impuls: Realität als Konstruktion – Watzlawick und die zwei Realitäten
Problemkonstruktion: Wer hat welches Problem? Und warum?
Eigene Problem-Statements entwickeln
Reflexion: Was war relevant? Welche Gedanken nehme ich mit?
Tag 2

...zum Gestalten

Vormittag
Check-in: Was ist über Nacht wichtig geworden?
Problem-Landschaft vervollständigen
Impuls: Kontingenz – Es könnte auch anders sein
Doppelte Kontingenz: Ich weiß nicht, was du tust – und du weißt nicht, was ich tue
Das Paradox der Strukturen: Regeln schaffen neue Unsicherheit
Nachmittag
Strategien zum Umgang mit Kontingenz
Handlungsvorschläge entwickeln: „Ich denke, wir sollten...“
Impuls: Entscheidungskontexte – Entscheidungen sortieren
Experimente definieren: Was versuchen wir? Wer übernimmt? Bis wann?
Abschluss und Ausblick
“Only those questions that are in principle undecidable, we can decide.”
— Heinz von Foerster

Für wen ist diese Werkstatt?

Führungskräfte, die verstehen wollen, warum ihre Teams „nicht mitspielen“
Berater:innen, die systemtheoretisches Handwerkszeug suchen
Organisationsentwickler:innen, die über „Change Management“ hinausdenken wollen
Teams, die festgefahrene Konflikte produktiv bearbeiten möchten
Hinweis

Die Werkstatt ist NICHT geeignet für Menschen, die einfache Rezepte suchen. Wir arbeiten mit Komplexität, nicht gegen sie.

Was sollten Sie mitbringen?

Einen Fall aus Ihrem Arbeitskontext, an dem wir gemeinsam arbeiten können
Lust auf anspruchsvolle Gedankengänge
Bereitschaft, die eigene Perspektive zu hinterfragen
Keine Vorkenntnisse erforderlich – Erfahrung in der Arbeit mit Teams ist hilfreich
„Regeln sind Ressourcen, die in der Handlung aktualisiert werden müssen. Sie determinieren nicht – sie ermöglichen und beschränken.“
— Günter Ortmann (sinngemäß)

Praktische Informationen

Dauer 2 Tage (plus optionale Online-Sessions vorher und nachher)
Sprache Deutsch (Englisch auf Anfrage)
Gruppengröße 8–16 Personen
Format Offene Termine (siehe unten) · Inhouse-Training ab 8 Personen
Preis Auf Anfrage

Vorfühlen und Nachfühlen

Die Werkstätten werden von zwei Online-Sessions begleitet:

Das Vorfühlen gibt uns die Möglichkeit für ein erstes Kennenlernen und den Aufbau einer gemeinsamen Basis. Wir klären organisatorische Fragen und stimmen Erwartungen ab.

Das Nachfühlen unterstützt dabei, das Erlebte nach einigen Wochen zu reflektieren und zu ergründen, was sich im Arbeitsalltag als nützlich erwiesen hat.

Interesse? Melden Sie sich an.

Wer die Werkstatt leitet

Falk Engelmann

Denkt in Systemen, arbeitet mit Menschen. Seit über 18 Jahren begleitet er Teams und Organisationen dabei, ihre eigenen Muster zu verstehen – und dort anzusetzen, wo Veränderung tatsächlich möglich ist.

Fragen zur Werkstatt?

falk@vorfeld.studio

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Theoretische Grundlagen

Lokale Rationalitäten

Arbeitsteilung führt zu unterschiedlichen lokalen Rationalitäten und divergierenden Interessen. Die Wahrnehmungen und Interessen leiten die Handlungen der Akteure. Das erzeugt Spannungen und Konflikte, mit denen Organisationen umgehen müssen.

Realität als Konstruktion

Jeder Mensch nimmt die Welt durch seine eigene Linse wahr. Diese Linse wird geformt durch: Erfahrungen, Position, Information, Kontext. Daraus entstehen unterschiedliche Realitäten. Wer die Konstruktion gut rekonstruiert, schafft Räume, in denen nicht sinnlos um Standpunkte gestritten wird.

Realitäten erster und zweiter Ordnung

Realitäten erster Ordnung sind physische Eigenschaften – messbar, uninterpretierbar. Realitäten zweiter Ordnung sind Beschreibungen – hier wird Bedeutung gegeben. Die Unterscheidung von beidem ist der Schlüssel zur Rekonstruktion und damit zur gemeinsamen Bildgestaltung.

Kontingenz

Es ist weder notwendig noch unmöglich – es könnte auch anders sein. Die Zukunft ist offen, aber nicht beliebig. Organisationen entwickeln Strategien, um mit dieser Offenheit umzugehen – doch jede Strategie erzeugt selbst neue Ungewissheit. Deshalb gibt es nicht die eine richtige Antwort, sondern einen bewussten Umgang mit verschiedenen Ansätzen.

Doppelte Kontingenz

Zwei Akteure – Alter und Ego – müssen handeln, ohne zu wissen, was der andere tun wird. Jeder entscheidet auf Basis dessen, was er vermutet, dass der andere erwartet. Beide orientieren sich an Erwartungserwartungen – und schaffen so eine Unsicherheit, die sich nicht auflösen, sondern nur bearbeiten lässt.

Entscheidungskontexte

Nicht jede Entscheidung gehört an jeden Tisch. Es gibt operative Kontexte – die tägliche Arbeit. Koordinierende Kontexte – wo geteilte Arbeit zusammengeführt wird. Und strategische Kontexte – wo gilt, was insgesamt zählt.