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Vorgehensmodelle für den Umgang mit Kontingenz

Werkstatt · 2 Tage · Für Teams und Führungskräfte

Wie helfen iterative Vorgehensmodelle, mit Ungewissheit umzugehen – und wo stoßen sie an Grenzen?

Organisationen arbeiten unter Bedingungen, die sie nicht vollständig kontrollieren können. Was gestern funktioniert hat, passt morgen nicht mehr. Iterative Vorgehensmodelle sind eine Antwort auf diese Ungewissheit: Sie ersetzen den großen Plan durch kurze Zyklen aus Transparenz, Inspektion und Adaption.

Aber warum funktionieren diese Modelle? Und warum scheitern sie so oft? Diese Werkstatt verbindet organisationssoziologische Theorie mit praktischen Vorgehensweisen. Sie lernen nicht nur Methoden, sondern verstehen, warum sie in kontingenten Umgebungen wirksam sind – und wie sie über einzelne Teams hinaus skaliert werden können.

Was Sie lernen werden

01

Wirklichkeitskonstruktion und lokale Rationalitäten

Sie verstehen, warum Teams und Abteilungen dieselbe Situation völlig unterschiedlich beschreiben. Arbeitsteilung erzeugt lokale Rationalitäten, die das Handeln der Akteure leiten. Wer das versteht, liest Konflikte anders – und kann sie produktiv nutzen.

02

Transparenz, Inspektion, Adaption

Sie erleben die drei Säulen adaptiver Vorgehensweisen als zusammenhängendes Prinzip: Fehlende Transparenz führt zu fehlerhaften Wirklichkeitskonstruktionen. Wer nicht überprüft, sollte auch nicht anpassen. Und je länger nichts angepasst wird, desto größer werden die Pfadabhängigkeiten.

03

Rollen, Rituale und Artefakte

Sie lernen die konkreten Bausteine iterativer Vorgehensmodelle kennen: Wie Rollen Verantwortung funktional differenzieren, Rituale den Rhythmus für Inspektion und Adaption geben, und Artefakte die Vereinbarung über den zu erzeugenden Wert sichtbar machen.

04

Skalierung: Koordination über Teams hinweg

Sie erarbeiten, was passiert, wenn ein Team nicht ausreicht: Wertströme, geteilte Kadenz und Synchronisation als Koordinationsmechanismen. Und warum Skalierung kein Framework-Problem ist, sondern eine Frage der organisationalen Gestaltung.

Wie die Werkstatt abläuft

Tag 1

Teamebene: Adaptive Vorgehensweisen

Vormittag
Ankommen und Spielregeln
Erwartungen klären: Was muss passiert sein, damit sich die Werkstatt lohnt?
Impuls: Wirklichkeitskonstruktion und lokale Rationalitäten – Warum Teams dieselbe Situation unterschiedlich beschreiben
Kleingruppenarbeit: Eigene Wirklichkeitskonstruktionen und Konflikte durch unterschiedliche Sichtweisen
Nachmittag
Impuls: Transparenz, Inspektion, Adaption – Die drei Säulen adaptiver Vorgehensweisen
Impuls: Rollen, Rituale und Artefakte – Produktverantwortung, Prozessbegleitung und Teamstruktur
Funktionsanalyse: Was passiert, wenn Elemente fehlen? Was erschwert aktuell die Zusammenarbeit?
Reflexion: Was war relevant? Welche Gedanken nehme ich mit?
Tag 2

Skalierung: Koordination multipler Teams

Vormittag
Check-in: Was ist über Nacht wichtig geworden?
Impuls: Warum Skalierung? – Von Teamebene über Koordinationsebene zu Wertströmen
Impuls: Klarheit und Kadenz – Synchronisation, Abhängigkeitsmanagement und geteilte Planungshorizonte
Analyse: Welche Strukturen, Events und Rollen haben wir – und welche fehlen?
Nachmittag
Kritische Reflexion: Wo stoßen iterative Modelle an Grenzen? Entstehen Maßnahmen, die wirklich etwas verändern?
Fallarbeit: Skalierungsherausforderungen aus der eigenen Organisation bearbeiten
Aktionsplanung: Was nehmen wir mit? Was setzen wir als erstes um? Wer unterstützt?
Abschluss und Ausblick
„Es ist weder notwendig noch unmöglich – es könnte auch anders sein.“
— Niklas Luhmann

Für wen ist diese Werkstatt?

Führungskräfte, die verstehen wollen, wie iterative Vorgehensweisen tatsächlich funktionieren – jenseits der Buzzwords
Team-Coaches und Prozessbegleiter:innen, die ihre Arbeit theoretisch fundieren wollen
Produktverantwortliche, die iterative Prinzipien im eigenen Kontext wirksam einsetzen möchten
Alle, die Skalierung nicht als Framework-Einführung, sondern als Koordinationsaufgabe verstehen wollen
Hinweis

Diese Werkstatt vermittelt keine Zertifizierung und kein bestimmtes Framework. Wir arbeiten mit Prinzipien, nicht mit Produktnamen.

Was sollten Sie mitbringen?

Einen Fall aus Ihrem Arbeitskontext, in dem iterative Vorgehensweisen eine Rolle spielen oder spielen könnten
Bereitschaft, gängige Modelle kritisch zu hinterfragen
Interesse an den Prinzipien hinter den Praktiken
Keine Vorkenntnisse erforderlich – Erfahrung mit iterativen Arbeitsweisen ist hilfreich
„Regeln sind Ressourcen, die in der Handlung aktualisiert werden müssen. Sie determinieren nicht – sie ermöglichen und beschränken.“
— Günter Ortmann (sinngemäß)

Praktische Informationen

Dauer 2 Tage (plus Online-Sessions vorher und nachher)
Nächste Termine Werden bekannt gegeben
Sprache Deutsch
Gruppengröße Max. 16 Personen
Format Offene Termine · Inhouse-Training ab 8 Personen
Preis Auf Anfrage
Ort Wird mit dem Termin bekannt gegeben

Vorfühlen und Nachfühlen

Die Werkstätten werden von zwei Online-Sessions begleitet:

Das Vorfühlen gibt uns die Möglichkeit für ein erstes Kennenlernen und den Aufbau einer gemeinsamen Basis. Wir klären organisatorische Fragen und stimmen Erwartungen ab.

Das Nachfühlen unterstützt dabei, das Erlebte nach einigen Wochen zu reflektieren und zu ergründen, was sich im Arbeitsalltag als nützlich erwiesen hat.

Interesse? Melden Sie sich an.

Wer die Werkstatt leitet

Falk Engelmann

Denkt in Systemen, arbeitet mit Menschen. Seit über 18 Jahren begleitet er Teams und Organisationen dabei, ihre eigenen Muster zu verstehen – und dort anzusetzen, wo Veränderung tatsächlich möglich ist.

Fragen zur Werkstatt?

falk@vorfeld.studio

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Theoretische Grundlagen

Wirklichkeitskonstruktion

Jeder Mensch nimmt die Welt durch seine eigene Brille wahr – geprägt von Erfahrungen, Position, Information und Kontext. In Organisationen erzeugt Arbeitsteilung unterschiedliche lokale Rationalitäten. Das macht Organisationen komplex und Verständigung schwierig.

Realitäten erster und zweiter Ordnung

Realitäten erster Ordnung sind physische Eigenschaften – messbar und überprüfbar. Realitäten zweiter Ordnung sind Beschreibungen, denen Bedeutung gegeben wird. Probleme sind immer Konstruktionen aus einer bestimmten Sichtweise. Wer das versteht, kann Problemarbeit anders gestalten.

Empirische Prozesssteuerung

Wissen wird aus Erfahrung gewonnen, Entscheidungen auf Basis von Beobachtungen getroffen. Transparenz macht Wirklichkeitskonstruktionen sichtbar. Inspektion deckt Abweichungen auf. Adaption verhindert, dass Pfadabhängigkeiten wachsen. Je länger nichts angepasst wird, desto teurer wird die Korrektur.

Funktionale Differenzierung durch Rollen

Rollen sind keine Jobtitel, sondern funktionale Differenzierungen: Produktverantwortung sorgt für Wertmaximierung, Prozessbegleitung für die Effektivität des Teams, Spezialist:innen für die Umsetzung. Jede Rolle erfüllt eine Funktion im System – fällt sie weg, entsteht ein Vakuum.

Kadenz und Synchronisation

Skalierung erfordert Klarheit und Rhythmus. Kadenz schafft Vorhersagbarkeit, Synchronisation ermöglicht Koordination über Teams hinweg. Jeder Arbeitsauftrag ist mit einem übergreifenden Ziel verknüpft. Die Gesamtwertschöpfung kann nur gemeinsam erarbeitet werden.

Wertströme als Organisationsprinzip

Wertströme richten die Arbeit auf Kundennutzen aus und verbinden strategische mit operativer Ebene. Wenn mehrere Teams koordiniert werden müssen, reicht Teamautonomie allein nicht. Es braucht bewusste Strukturen für Abhängigkeitsmanagement, Prioritätenausrichtung und integrierte Lieferung.