Vorgehensmodelle für den Umgang mit Kontingenz
Werkstatt · 2 Tage · Für Teams und Führungskräfte
Wie helfen iterative Vorgehensmodelle, mit Ungewissheit umzugehen – und wo stoßen sie an Grenzen?
Organisationen arbeiten unter Bedingungen, die sie nicht vollständig kontrollieren können. Was gestern funktioniert hat, passt morgen nicht mehr. Iterative Vorgehensmodelle sind eine Antwort auf diese Ungewissheit: Sie ersetzen den großen Plan durch kurze Zyklen aus Transparenz, Inspektion und Adaption.
Aber warum funktionieren diese Modelle? Und warum scheitern sie so oft? Diese Werkstatt verbindet organisationssoziologische Theorie mit praktischen Vorgehensweisen. Sie lernen nicht nur Methoden, sondern verstehen, warum sie in kontingenten Umgebungen wirksam sind – und wie sie über einzelne Teams hinaus skaliert werden können.
Was Sie lernen werden
Wirklichkeitskonstruktion und lokale Rationalitäten
Sie verstehen, warum Teams und Abteilungen dieselbe Situation völlig unterschiedlich beschreiben. Arbeitsteilung erzeugt lokale Rationalitäten, die das Handeln der Akteure leiten. Wer das versteht, liest Konflikte anders – und kann sie produktiv nutzen.
Transparenz, Inspektion, Adaption
Sie erleben die drei Säulen adaptiver Vorgehensweisen als zusammenhängendes Prinzip: Fehlende Transparenz führt zu fehlerhaften Wirklichkeitskonstruktionen. Wer nicht überprüft, sollte auch nicht anpassen. Und je länger nichts angepasst wird, desto größer werden die Pfadabhängigkeiten.
Rollen, Rituale und Artefakte
Sie lernen die konkreten Bausteine iterativer Vorgehensmodelle kennen: Wie Rollen Verantwortung funktional differenzieren, Rituale den Rhythmus für Inspektion und Adaption geben, und Artefakte die Vereinbarung über den zu erzeugenden Wert sichtbar machen.
Skalierung: Koordination über Teams hinweg
Sie erarbeiten, was passiert, wenn ein Team nicht ausreicht: Wertströme, geteilte Kadenz und Synchronisation als Koordinationsmechanismen. Und warum Skalierung kein Framework-Problem ist, sondern eine Frage der organisationalen Gestaltung.
Wie die Werkstatt abläuft
Teamebene: Adaptive Vorgehensweisen
Skalierung: Koordination multipler Teams
„Es ist weder notwendig noch unmöglich – es könnte auch anders sein.“
— Niklas Luhmann
Für wen ist diese Werkstatt?
Diese Werkstatt vermittelt keine Zertifizierung und kein bestimmtes Framework. Wir arbeiten mit Prinzipien, nicht mit Produktnamen.
Was sollten Sie mitbringen?
„Regeln sind Ressourcen, die in der Handlung aktualisiert werden müssen. Sie determinieren nicht – sie ermöglichen und beschränken.“
— Günter Ortmann (sinngemäß)
Praktische Informationen
Vorfühlen und Nachfühlen
Die Werkstätten werden von zwei Online-Sessions begleitet:
Das Vorfühlen gibt uns die Möglichkeit für ein erstes Kennenlernen und den Aufbau einer gemeinsamen Basis. Wir klären organisatorische Fragen und stimmen Erwartungen ab.
Das Nachfühlen unterstützt dabei, das Erlebte nach einigen Wochen zu reflektieren und zu ergründen, was sich im Arbeitsalltag als nützlich erwiesen hat.
Interesse? Melden Sie sich an.
Wer die Werkstatt leitet
Falk Engelmann
Denkt in Systemen, arbeitet mit Menschen. Seit über 18 Jahren begleitet er Teams und Organisationen dabei, ihre eigenen Muster zu verstehen – und dort anzusetzen, wo Veränderung tatsächlich möglich ist.
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Komplexität wirksam handhaben Entscheidungsfähigkeit stärkenTheoretische Grundlagen
Wirklichkeitskonstruktion
Jeder Mensch nimmt die Welt durch seine eigene Brille wahr – geprägt von Erfahrungen, Position, Information und Kontext. In Organisationen erzeugt Arbeitsteilung unterschiedliche lokale Rationalitäten. Das macht Organisationen komplex und Verständigung schwierig.
Realitäten erster und zweiter Ordnung
Realitäten erster Ordnung sind physische Eigenschaften – messbar und überprüfbar. Realitäten zweiter Ordnung sind Beschreibungen, denen Bedeutung gegeben wird. Probleme sind immer Konstruktionen aus einer bestimmten Sichtweise. Wer das versteht, kann Problemarbeit anders gestalten.
Empirische Prozesssteuerung
Wissen wird aus Erfahrung gewonnen, Entscheidungen auf Basis von Beobachtungen getroffen. Transparenz macht Wirklichkeitskonstruktionen sichtbar. Inspektion deckt Abweichungen auf. Adaption verhindert, dass Pfadabhängigkeiten wachsen. Je länger nichts angepasst wird, desto teurer wird die Korrektur.
Funktionale Differenzierung durch Rollen
Rollen sind keine Jobtitel, sondern funktionale Differenzierungen: Produktverantwortung sorgt für Wertmaximierung, Prozessbegleitung für die Effektivität des Teams, Spezialist:innen für die Umsetzung. Jede Rolle erfüllt eine Funktion im System – fällt sie weg, entsteht ein Vakuum.
Kadenz und Synchronisation
Skalierung erfordert Klarheit und Rhythmus. Kadenz schafft Vorhersagbarkeit, Synchronisation ermöglicht Koordination über Teams hinweg. Jeder Arbeitsauftrag ist mit einem übergreifenden Ziel verknüpft. Die Gesamtwertschöpfung kann nur gemeinsam erarbeitet werden.
Wertströme als Organisationsprinzip
Wertströme richten die Arbeit auf Kundennutzen aus und verbinden strategische mit operativer Ebene. Wenn mehrere Teams koordiniert werden müssen, reicht Teamautonomie allein nicht. Es braucht bewusste Strukturen für Abhängigkeitsmanagement, Prioritätenausrichtung und integrierte Lieferung.